Frag zehn Praxen in Deiner Stadt, was auf ihre Website gehört, und du bekommst zehnmal die gleiche Antwort: Sprechzeiten, Team, Leistungen, Anfahrt, Kontakt. Fertig. Und genau deshalb sehen 90 % der Praxis-Websites in Deutschland auch gleich aus.
Das ist nicht schlimm — die Basics müssen sein. Aber was den Unterschied macht zwischen einer Website, die nur da ist, und einer, die tatsächlich neue Patienten bringt und Vertrauen aufbaut, sind meistens Elemente, die im Standard-Playbook fehlen. Hier eine ehrliche Übersicht, was auf eine Praxis-Website gehört, was Dich wirklich abhebt — und was Du besser weglässt.
Die Basis: was jeder machen muss
Diese Elemente sind Pflicht. Wenn eines davon fehlt, verlierst du Patienten schon vor dem ersten Anruf:
- Sprechzeiten: klar formatiert, auf jeder Seite erreichbar (idealerweise im Footer), inklusive Sonderregelungen für Ferien, Feiertage, Notfall-Zeiten
- Anfahrt: Google-Maps-Einbindung, klare Adresse, Hinweise zu Parkmöglichkeiten und ÖPNV-Anbindung
- Team: aktuelle Fotos (nicht die von vor 8 Jahren), Namen, Qualifikationen, Sprachen die gesprochen werden
- Leistungen: was Ihr anbietet, mit ausreichender Tiefe damit Patienten wissen, ob sie richtig sind
- Kontakt: Telefon prominent, E-Mail sichtbar, Kontaktformular für nicht dringende Anliegen
- Rechtliches: Impressum, Datenschutzerklärung, Cookie-Banner (DSGVO-konform)
Das sind die Mindestanforderungen. Alle Praxen haben das (mehr oder weniger gut umgesetzt). Interessant wird's erst darüber hinaus.
Was Dich wirklich abhebt
Hier trennen sich austauschbare Websites von denen, an die man sich erinnert. Das sind die Elemente, die ich bei Praxis-Websites priorisiere:
Detaillierte Leistungsbeschreibung mit Sonderuntersuchungen
Die meisten Praxen schreiben „Wir bieten arbeitsmedizinische Vorsorgen an" und listen 15 G-Nummern auf. Das reicht nicht.
Was gehört stattdessen rein: konkrete Beschreibung, was in einer Untersuchung passiert, wie lange sie dauert, was mitzubringen ist, welche Ergebnisse man bekommt. Und vor allem: die Sonderuntersuchungen, die nicht jeder anbietet.
Bei IBI (Institut für Betriebsmedizin, einer der Praxen für die ich die Website gebaut habe) ist das die Offshore-Tauglichkeitsuntersuchung nach OGUK, Gelbfieber-Impfung als anerkannte Impfstelle oder Fahrtauglichkeit für Berufskraftfahrer. Das sind Alleinstellungsmerkmale, die eine Praxis von 20 anderen in Bremen unterscheiden — aber nur wenn sie auch als solche auf der Website auftauchen.
Wenn Deine Praxis eine Spezialisierung hat, muss die auf der Startseite und in einer eigenen Leistungsseite groß rausgehoben werden. Nicht in der Fußzeile versteckt.
Sprachangebot
Praxen mit internationalen Zielgruppen — Offshore-Kunden, Reisemedizin, Betriebsmedizin für internationale Firmen — brauchen mindestens eine englische Version. Bei Offshore ist Englisch quasi Pflicht: die OGUK-Vorgaben sind auf Englisch, die Kunden kommen oft aus Norwegen, UK oder Kanada.
Wichtig: nicht die ganze Website übersetzen. Das ist teuer und wird selten aktuell gehalten. Sinnvoll sind die Seiten, die für internationale Nutzer relevant sind: Startseite (mit englischer Zusammenfassung), die spezifischen Leistungsseiten (bei IBI z.B. Offshore-Untersuchung, Seediensttauglichkeit), das Anfrageformular, Kontakt-Infos. Der Rest darf deutsch bleiben.
Bei Samedos (arbeitsmedizinische Praxis in Bremen-Findorff) haben wir genau das gemacht: Sprachumschalter oben, ausgewählte Seiten auf Englisch, Rest deutsch. Ergebnis: englischsprachige Anfragen kommen jetzt regelmäßig rein — das war vorher nicht der Fall.
Team-Sichtbarkeit + Praxis-Bilder
„Das Team" mit sechs Portraits in identischer Pose vor grauem Hintergrund ist Pflicht, aber macht keinen Unterschied.
Was Unterschied macht:
- Ehrliche, aktuelle Fotos in echter Praxis-Umgebung (nicht Stockphoto-Ästhetik)
- Kurze Vorstellungen mit Persönlichkeit: nicht nur „Dr. med., Facharzt für Innere Medizin", sondern was diese Person besonders macht — Schwerpunkte, Sprachen, seit wann in der Praxis
- Praxis-Bilder: der Empfang, die Räume, das Wartezimmer — Patienten wollen wissen, wie es aussieht bevor sie kommen
- 360°-Rundgang: der Königsweg. Google Street View bietet Business-Rundgänge kostenlos an, die sich in die Website einbetten lassen. Bei Samedos haben wir das gemacht (samedos.de/rundgang) — sechs Ansichten vom Eingang bis in die Untersuchungsräume. Der zusätzliche Vertrauensbonus ist enorm, gerade für ältere Patienten oder Menschen mit Praxis-Angst.
Der 360°-Rundgang ist einmalig einzurichten (Fotografieren mit spezieller Kamera, Google-Aufnahme selbst kostet nichts), zeigt aber sofort: hier hat sich jemand Mühe gegeben.
Custom-Anfrageformulare statt „info@..."
Der größte Hebel und meistens der am wenigsten diskutierte. Die meisten Praxen haben ein Standard-Kontaktformular: Name, E-Mail, Nachricht, Absenden. Das ist ok für „Ich hätte eine Frage", aber für strukturierte Anfragen völlig unzureichend.
Beispiel IBI: Wir haben drei separate Formular-Pfade gebaut:
- Als Unternehmen: Firma beauftragt Vorsorgen für Mitarbeitende. Das Formular fragt die Mitarbeiter (bis zu 6 Personen, mit Namen, Geburtsdatum) ab und lässt für jeden per Modal die relevanten Vorsorge-Untersuchungen auswählen (G-Nummern, alle DGUV-Vorsorgen).
- Als Privatperson: Selbstzahler-Pfad für Eignungsuntersuchungen (Führerschein, Sportbootführerschein).
- Als Auftraggeber: für Eignungsuntersuchungen von Mitarbeitenden oder Wehrleuten, inklusive Kostenübernahme-Erklärung.
Was passiert dahinter: das ausgefüllte Formular wird automatisch als PDF generiert, an die Praxis-E-Mail geschickt, der Absender bekommt eine automatische Bestätigung, und die Kostenübernahme ist als Pflichtfeld verankert (mit 24h-Absageregel, 75 % No-Show-Fee).
Der praktische Effekt: die Praxis bekommt strukturierte Anfragen statt Freitext-E-Mails, die Zuordnung zu Untersuchungsarten passiert schon beim Absenden, und bei No-Shows gibt es einen dokumentierten Nachweis für Rechnungen. Was vorher manueller Aufwand (Telefonate, Nachfragen, Notizen) war, läuft jetzt automatisiert.
Das ist keine „Website" mehr im klassischen Sinne — das ist eine Web-Applikation. Und für Praxen mit strukturierten Prozessen (Vorsorgen, Eignungsuntersuchungen, Reisemedizin) macht das den Unterschied zwischen „nette Seite" und „echtes Arbeitswerkzeug".
Was NICHT auf eine Praxis-Website gehört
Genauso wichtig wie das, was reingehört, ist das, was Du weglassen solltest:
Marketing-Sprache und Werbung
Bei niedergelassenen Kassenärzten gilt das strikte berufsrechtliche Werbeverbot der Musterberufsordnung für Ärzte (§27 MBO-Ä). Konkret heißt das: keine anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung. Sätze wie „Die beste Zahnarztpraxis in Bremen" oder „Wir garantieren schmerzfreie Behandlung" sind tabu.
Bei arbeitsmedizinischen GmbHs (wie IBI oder Samedos) gelten diese Regeln in abgeschwächter Form — das sind Kapitalgesellschaften, keine niedergelassenen Kassenärzte. Trotzdem gilt: sachlich informieren, nicht anpreisen. Wenn Du unsicher bist, ob eine Formulierung durchgeht, kläre das mit Deiner Landesärztekammer.
Die goldene Regel: Fakten und Qualifikationen ja, Marketing-Superlative nein.
Fehlende oder verwirrende CTAs
„Was soll der Nutzer als nächstes tun?" — diese Frage muss auf jeder Seite mit einem klaren Button beantwortet sein. Kein „Kontakt" versteckt in der Navigation. Sondern: „Termin buchen", „Anfrage senden", „Beratung anfordern" — prominent, sichtbar, auf jeder Seite.
Praxis-Websites verlieren Anfragen, weil Patienten nach dem Lesen einer Leistungsseite nicht wissen, wie es weitergeht. Das ist ein 5-Minuten-Fix mit riesigem Effekt.
Veraltete Inhalte
Der News-Bereich mit dem letzten Beitrag von 2022. Die „Aktuelle Öffnungszeiten"-Info über Weihnachten 2023. Die Team-Seite mit einer Ärztin, die seit zwei Jahren nicht mehr da ist.
Veraltete Inhalte kommunizieren: „Diese Praxis kümmert sich nicht um Details." Wenn Du keinen News-Bereich pflegen willst, mach keinen. Ein statisches „Aktuelles"-Element ist besser als eine dead-News-Section.
Autoplay-Videos, Sound-Effekte, unnötige Animationen
Wenn die Website beim Öffnen ein Video mit Ton abspielt oder Elemente wild ins Bild springen, macht das eins: Nutzer schließen den Tab. Praxis-Websites sollen ruhig, klar und schnell sein. Sie sollen Vertrauen aufbauen, nicht Aufmerksamkeit erregen.
Endlose Wall-of-Text-Leistungsseiten
15 Absätze Fließtext auf einer Leistungsseite werden von niemandem gelesen. Struktur, Zwischenüberschriften, Aufzählungen, kurze Absätze. Das gilt für alle Websites, aber besonders für Praxen — Patienten sind oft älter, gestresst oder ängstlich, wenn sie eine Praxis-Website öffnen.
Fazit: was Deine Praxis-Website wirklich braucht
Die Basics sind Pflicht: Sprechzeiten, Team, Leistungen, Anfahrt, Kontakt. Das erwarten Patienten und Google.
Der Unterschied wird über die Details gemacht:
- Sonderuntersuchungen sichtbar rausstellen
- Sprachangebot dort wo relevant
- Praxis und Team zeigen (Bilder, 360°-Rundgang)
- Custom-Formulare für strukturierte Anfragen
- Klare CTAs auf jeder Seite
Und Du solltest gezielt weglassen: Marketing-Sprache, veraltete Inhalte, Autoplay-Elemente, Wall-of-Text.
Wenn Du eine Praxis-Website baust oder überarbeitest, geh diese Liste einmal durch. Meistens findet man 3-5 Sachen, die fehlen oder falsch laufen — und die zu fixen bringt mehr als jedes Redesign.
Wie ich das mache
Ich baue Praxis-Websites zum Fixpreis von 2.000 € — mit allen oben genannten Elementen als Standard. 360°-Rundgang, Custom-Formulare, mehrsprachige Bereiche und Team-Präsentation sind Teil des Prozesses.
Konkrete Referenzen: IBI mit 3-Pfad-Anfrageformular, Samedos mit Praxis-Rundgang und Sprachumschalter. Beide zu sehen unter Referenzen.
Wenn Du Deine Praxis-Website neu machen willst: 30-Minuten-Erstgespräch buchen, kostenlos und unverbindlich. Oder direkt den Preisrechner nutzen für eine Sofort-Schätzung.