Praxen-Websites folgen anderen Regeln als jede andere Unternehmens-Website. Werbeverbote, DSGVO-Anforderungen, ein Publikum das sensible Entscheidungen trifft: das alles verändert, was auf deiner Site funktioniert und was nicht.
Der typische Praxis-Website-Besucher entscheidet in unter zwei Minuten, ob er anruft oder weitersucht. Er sucht dabei nicht nach dem hübschesten Design, sondern nach Vertrauen: Passt der Ansatz? Wer arbeitet dort? Wie diskret läuft das ab? Diese Fragen musst du beantworten, ohne dass es sich wie Marketing anfühlt.
1. DSGVO ist Pflicht, nicht Kür
Medizinische Kontexte sind rechtlich besonders sensibel. Ein Terminformular auf einer Praxis-Website behandelt automatisch Gesundheitsdaten — auch wenn der Patient nur „Erstberatung Hautthema" schreibt. Das heißt:
- Verschlüsselte Übertragung (SSL ist Basis, kein Add-on)
- Cookie-Banner mit echtem Opt-in — nicht die grauen „Wir nutzen Cookies, OK"-Balken die überall gegen die DSGVO verstoßen
- EU-Hosting (nicht AWS US-Region)
- Datenschutzerklärung passend zur Praxis, nicht generisch
- Kein Google Analytics ohne Consent
- Kein Facebook-Pixel ohne Consent (besser: gar nicht)
Wenn dir dein Website-Anbieter sagt „DSGVO ist kein Problem, machen wir schon irgendwie" — Vorsicht. Frag konkret nach: Wo läuft der Server? Wie ist das Consent-Management? Gibt es eine Datenschutzerklärung speziell für die Praxis?
2. Terminanfrage: einfach und diskret
Patienten wollen einen Termin buchen ohne Anruf-Hürde. Aber ohne dass sie Krankheiten in ein Formular tippen müssen, das jeder in der Praxis-Empfangsstelle liest.
Was funktioniert:
- Kurzes Formular mit Name, Kontakt, groben Terminwünschen
- Freitext-Feld „Kurze Notiz zum Anliegen" (optional, wirklich optional)
- Kein Zwang zur Vorab-Diagnose
- Bestätigungs-Mail dass die Anfrage angekommen ist
Was nicht funktioniert:
- „Symptomcheck-Formular" mit 15 Fragen — kein Patient füllt das aus
- Terminkalender wo alle Slots öffentlich sichtbar sind (Datenschutz-fragwürdig)
- Nur Anruf-Nummer ohne Formular-Alternative — verliert die 40 % Patienten, die lieber schreiben
Optional integrierbar: Systeme wie Doctolib, samedi oder Jameda mit Kalender-Anbindung. Praktisch für Praxen mit viel Terminverkehr, aber nicht Pflicht — ein einfaches Formular reicht für die meisten.
3. Team-Vorstellung mit echten Fotos
Patienten wollen wissen, wem sie sich anvertrauen. Team-Fotos sind der wichtigste Vertrauens-Baustein — und leider einer der am häufigsten vernachlässigten.
Was funktioniert:
- Echte Fotos von dir und deinem Team (kein Stockmodel im weißen Kittel)
- Kurze fachliche Info: Ausbildung, Schwerpunkte, Berufsjahre
- Ein persönlicher Satz: was liegt dir am Herzen, warum machst du das
- Sprachen die im Team gesprochen werden (wichtig für viele Patienten)
Was nicht funktioniert:
- „Unser Team im Einsatz"-Stockfoto von Getty Images
- Lange akademische CVs ohne Übersetzung ins Menschliche
- Kein Foto (wirkt anonym, unsicher)
Wenn du oder Kollegen kein Foto von dir zeigen willst: aus religiösen, persönlichen oder anderen Gründen. Auch OK — dann eine gezeichnete Version oder ein Symbol, kein leerer Platz. Alles ist besser als „Foto folgt".
4. Klare Leistungsübersicht ohne Fachchinesisch
Deine Leistungen sind für dich alltäglich. Für Patienten sind sie fremd. Erkläre in einer Sprache, die auch die 70-jährige Nachbarin versteht.
Statt: „Diagnostik und Therapie im Bereich der proktologischen und koloproktologischen Erkrankungen"Besser: „Untersuchung und Behandlung von Beschwerden im Enddarm und unteren Verdauungstrakt"
Statt: „Konservative und operative Versorgung"Besser: „Wir behandeln erst so schonend wie möglich — Operation nur wenn wirklich nötig"
Kurzformen wie „Vorsorge", „Behandlung", „Diagnostik" reichen als Überschriften. Der Detailtext sollte danach kurz erklären, was das für den Patienten bedeutet, nicht was es fachlich heißt.
5. Barrierearme Bedienung
Ab 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) — für viele Praxen bindend. Aber unabhängig davon: viele Patienten sind älter, haben Sehschwierigkeiten oder brauchen einfach mehr Zeit. Barrierefreie Sites gewinnen mehr Patienten.
Was das konkret heißt:
- Schriftgröße ausreichend (mindestens 16 Pixel Grundgröße)
- Kontraste stark genug (schwarze Schrift auf weiß, nicht grau-auf-hellgrau)
- Alt-Text an allen Bildern (Screen-Reader-tauglich)
- Formulare mit Labels beschriftet
- Kein reines Farbkodieren („grün = verfügbar, rot = nicht") ohne Text-Alternative
Diese Basics sind kein Aufwand, sondern gutes Handwerk — und rechtlich zunehmend Pflicht.
6. Was du als Arzt nicht darfst
Ärzte haben Werbebeschränkungen. Das Berufsrecht der Ärztekammern verbietet einiges, was in anderen Branchen normal ist:
- Vergleichende Werbung („besser als andere Praxen") — verboten
- Erfolgsversprechen („garantiert schmerzfrei") — verboten
- Vorher-Nachher-Bilder — je nach Fachrichtung streng reguliert
- Konkrete Preisangaben bei Kassenpraxen — schwierig
- Rabatt-Aktionen — verboten
Erlaubt ist: sachliche Information über deine Leistungen, dein Team, deine Ausstattung. Der Ton muss informativ sein, nicht überschwänglich verkäuferisch.
Ein guter Web-Anbieter kennt diese Grenzen. Wenn er dir „SEO-optimierte Angebots-Texte" schreibt die eher nach Zahnpasta-Werbung klingen, hast du ein rechtliches Risiko.
Beispiele aus der Praxis
Wie das im echten Projekt aussieht, zeigen zwei Praxen die ich gebaut habe:
Samedos — arbeitsmedizinische Praxis in Bremen: klarer Fokus auf DGUV-Vorschrift 2, Terminanfrage-Formular für Betriebe, Team-Vorstellung mit fachlichem Fokus. Keine überschwänglichen Marketing-Sätze, dafür präzise Information für die Zielgruppe (HR-Verantwortliche und Geschäftsführer).
IBI Isernhagen — Institut für Betriebsmedizin: Fokus auf Betreuung und Offshore-Eignungsuntersuchungen. Zwei sehr spezifische Zielgruppen (Unternehmen und Einzelpersonen), auf der Site klar getrennte Wege zu jeweils passenden Infos.
Beide Sites zeigen: professionell ohne Werbe-Sprech, DSGVO-konform, mit klarer Terminanfrage. Das ist die Baseline für jede Praxis-Website.
Fazit
Praxis-Websites brauchen mehr Sorgfalt als „normale" Unternehmens-Sites — DSGVO, Werbeverbote, Vertrauensaufbau. Aber sie folgen einer klaren Logik: dem Patienten in kürzester Zeit vermitteln, dass er hier gut aufgehoben ist, ohne dabei aufdringlich zu werden.
Wenn du eine Praxis-Website planst oder eine bestehende überarbeiten willst: Preisrechner öffnen für eine erste Schätzung oder direkt 30-Minuten-Erstgespräch buchen. Im Gespräch klären wir konkret was für dein Fachgebiet und deine Zielgruppe Sinn macht — und was du als Ärztin oder Arzt bei Web-Marketing beachten musst.